Über Maria kann man lange Katechesen schreiben, fürwahr. Meistens kommt dann aber zu kurz, was aber die katholische Beziehung zu Maria überhaupt ausmacht: Maria im Leben der Kirche – in meinem Leben. Genau genommen, ist das der viel wichtigere Teil dessen, was Maria für uns bedeutet.
Aber, so hoffe ich, wenn Du Maria als das annimmst, was die Theologie von ihr behauptet, dann wird von alleine eine Beziehung zu ihr entstehen, die noch einmal alle Theologie übertrifft.

Die Marienfeste

Im Leben der Kirche gibt es zahlreiche Feste, die auf Maria verweisen oder einladen, sich gemeinsam mit ihr zu freuen. Da Maria aber immer im engsten Zusammenhang mit ihrem Sohn gedacht wird, haben diese Feste auch immer einen »Jesus-Gedanken«.

Die biblischen Feste

  • Das »Fest der Gottesmutter Maria« am 1. Januar ist ursprünglich das Fest der »Beschneidung des Herrn« gewesen – Acht Tage nach der Geburt. (Lk 2, 21)
  • Das Fest »Maria Lichtmess« heißt heute wieder »Darstellung des Herrn«. 40 Tage nach der Geburt Jesu – also am 2. Februar – waren Maria und Josef mit ihrem Sohn wieder im Tempel, um Jesus Gott zu weihen – wie es sich für den erstgeborenen Sohn gehört (Lk 2, 22). Gefeiert wird dieses Fest schon seit ca. 400 n. Chr., seit dieser Zeit sind auch schon Lichterprozessionen in Jerusalem bezeugt – wohl in Anspielung auf LK 2, 32.
  • Am 25. März, also neun Monate vor dem Fest der Geburt Jesu (Weihnachten), feiert die Kirche das »Fest der Verkündigung des Herrn« – also die Szene, in der der Engel Maria die Geburt Jesu ankündigt und Maria vom Heiligen Geist schwanger wird (Lk 1, 26-38). Gefeiert wird dieses Fest schon seit 550 n. Chr.
  • Am 2. Juli wird die »Heimsuchung Mariens« gefeiert – der Besuch, den Maria bei Elisabeth abgestattet hat (Lk 1, 26). Dieses Fest gibt es erst seit 1263, gefeiert ursprünglich am ersten Tag nach Abschluss der Festoktav zur Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni.

Die eigentlichen Marienfeste

  • Am 8. September – so schon die früheste Überlieferung – wurde Maria geboren. (Gefeiert seit dem 6. Jahrhundert n. Chr.)
  • Dem entspricht – neun Monate zuvor – die wunderbare Empfängnis Mariens (so der Name des Festes schon im 4. Jahrhundert) am 8. Dezember; heute feiern wir diesen Tag als das »Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens«.
  • Am 15. August feiern wir das »Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel«. Zunächst wurde an diesem Tag der Tod Mariens gefeiert (»Heimgang Mariens« oder »Dormitio – Entschlafung«) – und das bereits kurz nach 431 n. Chr. Seit 602 n. Chr. ist dieser Tag bereits staatlicher Feiertag.
  • Acht Tage nach »Mariae Himmelfahrt«, am 22. August, feiert die Kirche das Fest »Maria Königin« (früher am 31. Mai). Nach alter Tradition ist Maria nicht nur die »Erst-Erlöste«, sondern auch die Vornehmste aller Erlösten – ausgedrückt als »Königin«. Früher wurde am 22. August das Fest des »Unbefleckten Herzens Mariens« gefeiert.

»Uneigentliche« Marienfeste

Einige Marienfeste sind aus historischem Anlass entstanden:

  • am 11. Februar wird an die Erscheinung Mariens in Lourdes gedacht (seit 1907);
  • am Freitag vor Palmsonntag wurde der »Sieben Schmerzen Mariens« gedacht, das als Fest seit 1814 auf den 15. September gelegt wurde;
  • am 16. Juli ein Fest des Karmel-Kloster zur Ehren Mariens;
  • am 5. August das Fest zur Einweihung der bedeutensten Marienkirche – der »Santa Maria Maggiore« in Rom;
  • am 12. September feiern wir das Fest »Maria Namen« – entstanden aus der wunderbar empfundenen Aufhebung der Belagerung Wiens durch die Türken (seit 1683);
  • am 7. Oktober das Fest »Unserer lieben Frau vom Rosenkranz« als Dank für den Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto (seit 1573 mit noch älteren Wurzeln);
  • am 21. Oktober das Fest »Unsere liebe Frau in Jerusalem«, das an die Aufnahme der drei-jährigen Maria in den Tempel erinnern soll (Opferung Mariens);
  • am Samstag nach dem 2. Sonntag nach Pfingsten wird an das »Unbefleckte Herz Mariens« gedacht (von 1944 bis 1969 am 22. August).
  • In Bayern wird am 1. Mai an die »Patronin Bayerns« gedacht (»Patrona Bavariae«).
  • Besonders der Mai (als Monat der aufblühenden Natur) und der Oktober (als Rosenkranzmonat) sind als ganzes marianisch geprägt.

Mariengebete

  • Das wichtigste Mariengebet ist das aus biblischen Motiven zusammengesetzte »Gegrüßet seist Du Maria« (»Ave Maria«). Zusammen mit dem »Vaterunser«, dem »Ehre sei dem Vater« und dem »Glaubensbekenntnis« bildet es den Rosenkranz.
  • Darüber hinaus gibt es die sogenannten »Marianischen Antiphonen«. Das sind Mariengebete, die z. T. deutlich mehr als 1000 Jahre alt sind und im Stundengebet der Kirche ihren Platz haben. Dazu gehören:
    »Ave Regina coelorum«, »Salve Regina«, »Alma redemptoris Mater«, »Subtuum praesidium« (Auf deutsch: Unter Deinem Schutz und Schirm – siehe weiter oben in dieser Katechese) und das »Regina coeli«. Auch der »Angelus« – ein Gebet, das zum Läuten der Kirchenglocken morgens, mittags und abends gebetet wurde, ist stark marianisch geprägt – erinnert aber vor allem an die Menschwerdung Jesu. Schließlich ist noch die »Lauretanische Litanei« zu nennen, die in Gebetsform die wichtigsten Namen Mariens, bzw. Titel oder Anrufungen aufzählt.
  • Auch andere Gebetsformen, wie z. B. der Kreuzweg, lassen sich mit Maria beten.

Marienbilder

  • In der Kunstgeschichte finden sich zahlreiche Marienbilder, die sich vornehmlich auf die biblischen Szenen beziehen (allem voran die Bilder der Geburt in Bethlehem und der Verkündigung durch den Engel Gabriel, danach die Kreuzigung mit Maria unter dem Kreuz), aber auch die thronende Maria, die uns ihren Sohn zeigt; eine Darstellung, die aus der Anbetung der drei Weisen aus dem Morgenland entstanden ist (also wieder eine biblische Szene). Maria wird sozusagen aus der Sicht der »Hl. Drei Könige« dargestellt.
  • Später wurde Maria losgelöst von jeder biblischen Szene als »Mutter mit Kind« dargestellt, dabei segnet entweder das Jesuskind auf ihrem Arm den Betrachter des Bildes (Segensbilder); oder Jesus schmiegt sich liebevoll an seine Mutter. Seltener findet sich auch das Bild von der stillenden Mutter (»Maria lactans«).
  • Mit dem Aufkommen der Marienerscheinungen, vor allem seit 1850, finden sich Mariendarstellungen, die den Erscheinungen Mariens nachempfunden sind (Lourdes, Fatima, Medjugorje) – oder sich auf ein geoffenbartes Bild beziehen (Guadeloupe oder die »Wundertätige Medaille« aus der »Rue du bac«).

Dazu – und überhaupt zu dem Phänomen der Marienerscheinungen – findest Du mehr unter: Marienerscheinungen: Maria als Prophetin des Neuen Bundes.

Übrigens, noch etwas…

Maria ist keine Randfigur in unserem Glauben. Sie sichert in der Theologie vor allem die wahre Menschheit Jesu und verhindert, dass aus Jesus eine »unmenschliche« Gotteserscheinung wird, die nicht wirklich uns gleich geworden ist.

Aber die Rolle Mariens in der Theologie wurde im Grunde durch die von Anfang an gelebte und gefeierte Seele der Christengemeinden vorgegeben. Maria steht dabei auf der Seite der Kirche, der Menschen und des Volkes – und nicht etwa in Konkurrenz zu Jesus oder Gott. Die Erfahrung zeigt, dass besonders marianische Menschen die Liebe zu Jesus bewahren; dass besonders in den Marienwallfahrtsorten dieser Welt Gott im Herzen der Menschen verankert bleibt.

Vor allem aber steht eine gelebte Marienfrömmigkeit mit der Liebe zur Kirche in einem unmittelbaren Zusammenhang. Wo Menschen Schwierigkeiten mit Maria haben und sich schwer tun, zu ihr eine lebendige Beziehung aufzubauen, stehen häufig Vorbehalte der Kirche gegenüber im Hintergrund.

Maria ist die Mutter der Kirche. Ihre bleibende Aufgabe ist es, die Menschen zur Kirche zu führen und die Kirche immer wieder in ihrer Ausrichtung auf Jesus zu bestärken – und auch gelegentlich zu ermahnen.

Und Maria ist meine Mutter. Sie betont in ihrer Mütterlichkeit immer wieder das, was jede Mutter ihren Kindern (und mögen sie noch so zahlreich sein) vermittelt: Du bist wichtig, Du bist willkommen, Du bist geliebt.

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