Am 17. Juni kam eine angeblich überraschende Antwort aus Rom auf die Anfrage der deutschen Bischöfe, ob die Predigt von Laien in der Eucharistiefeier in Deutschland grundsätzlich (oder zumindest in bestimmten Fällen dauerhaft) erlaubt werden können. Die Antwort aus Rom durch Kardinal Arthur Roche (dem Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst) lautet „Nein.“
Will Rom das Rad der Zeit zurückdrehen? Verbiete der Vatikan den Laien die Predigt – und damit den Frauen, die ja nicht geweiht werden können -, und nimmt der Kirche damit eine wichtige Stimme?
Ist das pures Machtgehabe von traditionalistischen Kardinälen? Eine theologische Begründung dafür – so viele Bischöfe, Priester, Theologen und Seelsorge – ist ja kaum mehr haltbar.

Nicht überraschend

In der Bekanntgabe des Briefes aus Rom wurde die Antwort gelegentlich als „überraschend“ oder doch zumindest „unerwartet“ kommentiert. Man hatte wohl mit einer anderen Antwort gerechnet, auch wenn die Haltung des Vatikans seit Jahrzehnten eigentlich klar ist.
Das mag daran liegen, dass viele deutsche Katholiken die (ebenfalls nur angebliche) Einhelligkeit, mit der die Predigt der Laien in der Eucharistiefeier im Synodalen Weg gefordert haben, mit der Ansicht der Weltkirche oder gar des Vatikans verwechseln. Inzwischen gibt es in Deutschland kaum noch Bischöfe, Priester oder Theologen, die eine andere Ansicht verteidigen und zu begründen versuchen. Vielleicht entstand so der Eindruck, dass es eben für die Erlaubnis der Laienpredigt auch im Vatikan eine wachsende Zustimmung geben könnte.
Letztlich hat die deutsche Wahrnehmung getäuscht. Nicht so sehr in der Hoffnung auf einen Wandel im Vatikan, sondern eher darin, dass eine theologische Begründung für das Predigtverbot von Laien in der Eucharistiefeier ja kaum noch begründet werden könne.

Laien dürfen predigen – und sollen es auch!

Vielmehr hat Kardinal Roche ausführlich darauf hingewiesen, dass die Predigt eine wesentliche Aufgabe der Laien ist. In Welt, Familie, Freundeskreisen und Vereinen ist sie unverzichtbar: Denn dort kommen die immer weniger werdenden geweihten Priester und Diakonne kaum zu Wort – weil sie schlicht nicht vertreten sind. Die Predigt der Laien in den verschiedensten Reihen ist nicht nur eine Möglichkeit der Laien, sondern ihre Kernkompetenz. Kein Priester kennt die Nöte und Sorgen der Menschen in den verschiedensten Zellen unserer Gesellschaft so gut wie die getauften und gefirmten Christen, die dort zuhause sind. Laien wissen um die richtigen Worte im richtigen Augenblick – und wann es wichtig ist, zu schweigen und den Glauben beispielhaft zu leben. Zeugnis legen nicht nur die Prediger ab, sondern jeder, der seinen Glauben lebt.

Die Predigt in der Messe ist ein Derivat

So wichtig wie die Predigt in der Eucharistiefeier auch ist – sie ist nur ein kleines Element in der Verkündigung der Kirche. Dort predigt einer, der hoffentlich seine Theologie gelernt hat und die Kirche liebt. Die Predigt der Laien in der Welt ist dagegen viel umfassender; sie umgreift zwar auch das Wort, aber darüberhinaus das gelebte Beispiel, das sichtbare Gebet, die Zuversicht in der Hoffnung und die tätige Nächstenliebe.
Manche Seelsorger in meiner Umgebung spekulierten über die Motivation „des Vatikans“ jenseits der kirchenrechtlichen Argumente. „Pures Machtgehabe“ vermuteten sie. Nun, ich könnte auch darüber spekulieren, warum die im Synodalen Weg vertretenen Laien sich nicht mit der umfassenden Predigtmöglichkeit in der Welt, kirchlichen Vereinen und Familie zufrieden gaben, sondern unbedingt die einzige dem geweihten Priester vorbehaltene Predigt in der Eucharistie für sich reklamieren. Ist es vielleicht so, dass die Predigt am Sonntag vor Gleichgesinnten einfacher ist und die Predigt durch die Woche vor der Welt unangenehmer? Ist es eventuell so etwas wie eine Flucht? – Ich halte nicht viel davon, über Motive zu spekulieren; wohlwollend sind sie selten.

Die Erlaubnis der Laienpredigt wäre ein Rückschritt

Nehmen wir einmal an, wir würden allen in unserer Kirche erlauben, in der Messe zu predigen – ob geweiht oder nicht. Wir würden dadurch die große Vielfalt und bunte Begabung, die die Gemeinde hat, nicht aufgreifen! Es würden nur die wenige, die sich eine Predigt trauen und gut in der Wahl von Worten sind, in den Mittelpunkt stellen; nicht aber die Menschen, die ihre Berufung im Trösten, Umarmen, Lächeln und Falten der Hände haben. All die vielen größeren Gaben – nämlich die Bereitschaft, persönliche Opfer zu bringen, um Sterbenden beizustehen, Obdachlose zu betreuen, sich Ausgegrenzten und Leiden aufopferungsvoll zuzuwenden – blieben mal wieder unberücksichtigt und nicht gewürdigt, wenn der Kreise der Messprediger erweitert würde.
Die bunte Verkündigung der Kirche würde damit noch weniger abgebildet.

Der Priester predigt der Gemeinde, die Gemeinde der Welt

Tatsächlich ist die Predigt des Priesters in der Eucharistiefeier nur ein mittelbarer Dienst an der Welt. Der Priester stärkt die Gemeinde durch die Feier der Verkündigung, der Wandlung, der Kommunion und des Segens am Ende der Messfeier. Die Aufforderung: „Gehet hin in Frieden!“ macht deutlich, dass die Gesendeten die Laien sind und der Priester ihnen nur die sakramentale und inhaltliche Beauftragung dazu vermittelt.
Der Priester hat den Auftrag zu Heiligung, Verkündigung und Stärkung nur in einem sehr eingeschränkten („besonderen“) Sinne – nämlich als Dienst an den bereits Getauften und Gefirmten. Die Laien haben den gleichen Auftrag in einem umfassenderen („allgemeinen“) Sinn. Darin sind sie freier, ungebundener, kreativer und gezielter tätig als der Priester.
Laien, die sich danach sehnen, die Aufgabe des Priesters zu übernehmen, verzichten auf die Wahrnehmung ihres größeren Auftrags.

Die Predigt des Priester in der Messfeier

Aber warum sollen nur Priester (ich erwähne jetzt nicht jedesmal die anderen beiden Weihestufen – die Diakone und Bischöfe) in der Eucharistiefeier predigen? Nun, weil es wiederum mehr um ein Beziehungsgeschehen und das damit verbundene Lernen geht, und weniger um eine Wissensvermittlung. In der Eucharistie verwirklicht der geweihte Priester in besonderer Weise die Anwesenheit Jesu, des Bräutigams, der uns als seine Braut heiligen will. Dazu müssen wir in unserer Beziehungsfähigkeit wachsen; in vielerlei Hinsicht. Zum Beispiel in der Demut und der Fähigkeit zuzuhören.
Denn darum geht es in der Verkündigung des Schrifttexte in Lesung, Evangelium und Predigt: Jesus als den Lehrer anzunehmen. Sich zu seinen Füßen zu versammeln. Auf Seine Botschaft hören zu lernen. Anzunehmen, dass dort ein Größerer spricht. – Das fällt uns nicht immer leicht. Oft wissen wir es besser, sind schneller mit unserem Urteil oder hören gar nicht mehr richtig hin. Manchmal glauben wir nicht wirklich, dass Gott in dieser Welt spricht und gehört werden kann. Selbst, wenn wir lernen, technisch wirklich hinzuhören, nehmen wir nicht wirklich wahr, dass uns im Gesagten eine ganz neue geistige Wirklichkeit entgegentritt. Also üben wir das ein: Das Hören. Der Priester vergegenwärtigt den lehrenden Jesus. Und wir hören zu.

Wir wachsen, indem wir hören

Es gehört zu den grundlegenden Erkenntnis der Psychologie, dass wir eine Realität besser und tiefer begreifen, wenn wir uns ihr nicht nur geistig, sondern auch leiblich nähern. Erst, wenn wir uns wirklich hinsetzen und hören, wie die Einwohner in Nazareth in der Synagoge auf Jesus gehört haben, entscheiden wir wirklich, ob wir ihn Ihm den Heiland und Messias annehmen.
Nachdem wir wirklich gehört und angenommen haben (wie jeder, der in einer Liebesbeziehung wachsen will, lernen muss), können wir weitergeben, was wir empfangen haben. Können – ? Wir sollen es! Egal, ob Mann, Frau, Geweihter oder Getaufte: Das ist unser aller Auftrag.

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