Seit wir schon vor 25 Jahren eine Einladung an die „Mitgliederinnen und Mitglieder“ des Pfarrgemeinderates bekommen haben, wissen wir: Die inklusive Sprache ist angekommen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Wer nur noch eine einzige Form wählt, eben die männliche (z. B. Radfahrer bitte absteigen, Hunde an der Leine), der wird schnell belehrt: Inklusiv muss es sein, sonst ist es diskriminierend. Wobei discrimen eigentlich nichts weiter als „Unterschied“ bedeutet, und könnte es nicht doch ein Unterschied sein, ob ich Frau oder Mann bin (oder keins von beiden?) – aber an solchen Spitzfindigkeiten hält sich keiner (und keine) mehr auf.

Wie macht man es richtig? Immer hintereinander weibliche und männliche Bezeichnungen nehmen? Das wird auf Dauer ermüdend: „Die Lehrerinnen und Lehrer haben die Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern auch das Leben der Politikerinnen und Politiker, der Beamtinnen und Beamten, der Angestelltinnen und Angestellten …“ – hoppla, war da jetzt nicht was falsch? Also geht man hin und vereinfacht ein bisschen. Entweder durch das Binnen-I („FreundInnen“), was schon ziemlich bescheuert aussieht und, wenn man es betont aussprechen wollte, eher missverständlich klänge, oder durch das modernere Gender-Sternchen („Genoss*innen“), was einen Text dermaßen verhunzt, dass man ihn am besten gleich in die Tonne kloppt.

Oder man nimmt Zuflucht zum Tätigkeitswort: die Studierenden, die Wählenden, die Fußgehenden, die Steuerzahlenden. Was in der deutschen Sprache dann normalerweise bedeuten würde, dass der Studierende auch dann studiert, wenn er schläft oder ein Eis isst, und dass der Steuerzahlende nicht aufhört, sein Geld dem Staat zu geben, was ja in diesem Falle auch stimmt.

Nicht-menschliche Wesen, so räumen die Vertreter – Entschuldigung: Vertretenden – der inklusiven Sprache ein, brauchen nicht inklusiv gekennzeichnet zu werden. Das beruhigt. Corona oder Grippe haben also einen Erreger, aber bitteschön keine Erregerin.

Und was passiert, wenn eine Bank ausgeraubt wurde? Da lesen wir doch stets, dass „der Täter“ oder „die Täter“ geflüchtet seien. Woher weiß die Polizei eigentlich, dass da keine Täterinnen mit im Spiel waren? Alle Mitglieder einer inzwischen diskriminierten männlichen Bevölkerungsminderheit, die zudem noch eine geringere Lebenserwartung hat als die Frauen, müssten hier eigentlich energisch protestieren.

Heikel wird es in althergebrachten Bereichen wie Bibel und Gebet. Bislang ist noch keine Feministin auf die Idee gekommen, zu fordern, es müsse im Gebet an Maria endlich heißen: „… bitte für uns Sünderinnen und Sünder …“, was ja nun wirklich gerecht wäre! Oder in der Bibel selbst, da steckt der Teufel im Detail. Eine Neu-Übersetzung brachte es tatsächlich fertig, Apostelgeschichte 15,1 geschlechtergerecht zu übertragen, so dass es nun hieß: „Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder und Schwestern: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden.“ – Eine solche Inklusionitis ist dann nicht nur ein Fall für Exegeten/ Exegetinnen, sondern auch für die Menschenrechtskommission der UN.

Auch im kirchlichen Leben gibt es Fallstricke für jede(n), der bzw. die es allen recht machen will. So begrüßte der Dompfarrer einer angesehenen Diözese beim Neujahrsempfang die anwesenden „Klarissinnen und Klarissen“. Es ist nicht überliefert, dass eine/ einer der Anwesenden gelacht hat.

Was nicht heißt, dass nicht auch einige Stellen etwa in der Bibel durchaus lebendiger, überraschender und irgendwie origineller werden könnten, würde eine inklusive Sprache gewählt. Dann würde es in der überarbeiteten Passionsgeschichte nach der Verleugnung des Petrus (der ein Mann bleiben sollte) vielleicht so weitergehen: „Gleich darauf gackerte das Huhn“ (InklMatthäus 26,74).

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Last modified: 31. Dezember 2020