Auf die Frage, ob die Deutschen in der Fastenzeit verzichten wollen, antwortet die Statistik: Ja, mehr als die Hälfte will auf etwas verzichten oder sogar richtig fasten. Fragt man nach, warum sie das tun, geben nur 5% »religiöse Gründe« an. Aber wir verstehen erst, was die Fastenzeit für uns sein kann, wenn wir wieder verstehen, «wofür das denn gut ist» – das Fasten.

Die Fasten-Vereinzelung

»Was fastest Du denn dieses Jahr?« – Das ist so eine Frage, die mir zu Beginn der Fastenzeit häufiger unterkommt. Eigentlich eine feine Sache: Fastenzeit als individuell abgestimmtes geistliches Fitnessprogramm. Jeder fastet das, was ihm auf der einen Seite als echtes Opfer erscheint, ihm auf der anderen Seite aber auch vor nicht unlösbaren Problemen stellt.

Auf der Strecke bleibt dabei allerdings das Fasten als gemeinschaftliches Erlebnis und Tun der Kirche – und wird dadurch auch noch etwas schwieriger. So kann es vorkommen, dass der eine »Alkohol fastet« und zusehen muss, wie sich der andere am Bier genüsslich tut, und im nächsten Augenblick ist es genau umgekehrt: Dann führt sich der erste eine riesige Portion Pommes zu, während der andere nun Kohldampf schiebt …

Die Kirche sieht beides vor: ein einheitliches Fasten und zusätzlich den individuellen Verzicht. Dazu ist es aber sinnvoll, das Wort »Fasten« wieder im ursprünglichen Sinne zu verstehen – und davon das persönliche »Opfer« zu unterscheiden.

Die erste Säule: Fasten

Als Fasten hat die Kirche von alters her nicht irgendein beliebiges Opfer bezeichnet, sondern konkret der Verzicht auf Nahrung (auch andere Religionen verstehen unter »Fasten« die Einschränkung der Nahrungsaufnahme). Im allgemeinen meint die katholische Kirche mit »Fasten« die einmalige Sättigung am Tag.

»Fasten bei Wasser und Brot«

Dabei ist es in der Fastenzeit sinnvoll, auf eine gesunde und ausgewogene Nahrung zu achten. Der Brauch, »bei Wasser und Brot« zu fasten (also bei der einmaligen Mahlzeit am Tag nur Wasser und trockenes Brot zu sich zu nehmen), sollte daher nur an einzelnen Fasttagen gepflegt werden (zum Beispiel am Aschermittwoch, Karfreitag oder dem wöchentlichen Fasttag). Für längere Zeiträume wie z.B. die Fastenzeit ist davon abzuraten. Wer will, mag das an einzelnen Tagen tun: Fasten bei Wasser und Brot ist aber immer nur freiwillig – keine Vorschrift.

Eine einfache Mahlzeit am Tag

Die einmalige Mahlzeit sollte allerdings nicht üppig und opulent sein, sondern schlicht der Sättigung und der Erhaltung der Körperfunktionen dienen.

Zwischenmahlzeiten

Außerhalb der einen Mahlzeit sind kleinere Stärkungen erlaubt und sinnvoll – aber ebenfalls nur zur Erhaltung der »Schaffenskraft« – Chips und Schokolade gehören üblicherweise nicht dazu.

»Sonntags nie!«

Es ist nicht nur üblich, Sonntags das Fasten zu unterbrechen – es ist sogar eine gewisse Verpflichtung darin zu sehen, die Feier das Sonntags auch durch ein feierliches Essen zu bereichern. »Wenn Fasten, dann Fasten; wenn Rebuhn, dann Rebhuhn« soll Teresa von Avila gesagt habe. Und Sonntag als Tag der Auferstehung ist nunmal Rebhuhn-Zeit.

Altersfreigabe beachten!

Nun ist das echte Fasten ein herber Eingriff in Dein (körperliches) Leben. Deshalb sollten Jugendliche unter 18 Jahre nur eingeschränkt fasten – Kinder zum Beispiel gar nicht. Senioren ab 60 Jahre sind dazu auch nicht verpflichtet. Fasten soll nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigung führen, die vor allem in der Jugendzeit fatale Folgen haben können.

Die zweite Säule: Verzicht (Opfer)

Im Gegensatz zum Fasten soll das Opfer individuell bestimmt werden. Da schreibt die Kirche nicht vor, welches Opfer Du Dir neben dem Fasten noch zusätzlich auferlegst. Die deutschen Bischöfe machen dazu konkrete Vorschläge: Sie schlagen vor, dass Du dich »beim Essen, Trinken und Rauchen, im unkontrollierten Gebrauch der Medien einschränken kannst und auf Partys, Tanzveranstaltungen und ähnliche Vergnügungen verzichtest«.

Verzicht ist kein Sport – sondern eine Freiheitsübung

Dabei solltest Du nicht nur auf schlechte Angewohnheiten verzichten – und auch nicht nur auf Dinge, die Dir schwerfallen. Das wird dann schnell zu einem Wettbewerb mit Deinem inneren Schweinhund: »Wer ist wohl stärker?«. Fasten und Verzicht sind keine Sportwetten, bei dem es nur darum geht, ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen. Fasten und Verzicht haben eine Ausrichtung: Es sollte Dir darum gehen, freier zu werden, Dich von unbemerkten (oder bewussten) Abhängigkeiten freizumachen.

Gebet, Almosen und Werke der Nächstenliebe

Die ganze Fastenzeit, das wirkliche Fasten und der Verzicht haben eine Ausrichtung: Freier zu werden für Gott und für den Nächsten. Wer fastet, spart zum Beispiel Geld und Zeit. Die Zeit sollte nicht nur vertrödelt werden und das Geld nicht nur gespart werden (um dann nach Ostern alles doch wieder zu versaufen und verspeisen).

Verzicht dient der Nächstenliebe

Man kann also auch die zweite Säule (Verzicht) anders nennen: Die Nächstenliebe. Die erweiterte Freiheit, die gewonnenen Zeitreserven und das gesparte Geld sollte für große Projekte oder kleine Gesten der Nächstenliebe verwendet werden. Ganz ausdrücklich nennte Jesus diese Säule in der Bergpredigt (neben dem Fasten und dem Gebet) das «Almosen geben». Es ist also keine Ersatzhandlung (für ausgebliebene Werke der Nächstenliebe), sondern biblischer Grund und krönender Abschluss, am Ende der Fastenzeit eine großzügige Spende für die Armen zu geben.

Die dritte Säule: Das Gebet

Wir haben die dritte Säule schon erwähnt: Das Gebet. Während der Verzicht in der Fastenspende seinen Abschluss findet, findet das Fasten seine Erfüllung im Gebet. Die durchs Fasten wiedergewonnene Freiheit soll umgemünzt werden für ein intensiveres Verhältnis zu Gott. Der krönenende Abschluss ist dann die intensive Feier der «Heiligen Drei Tage»: Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern.

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