Gebote sollen einen Sinn haben, sie sind nicht Selbstzweck. Aber nicht immer erkennen wir den Sinn sofort. In einem solchen unklaren Fall sind wir versucht. uns über ein Gebot hinwegzusetzen, weil wir vielleicht davon ausgehen, dass es seinen Sinn tatsächlich verloren haben – oder wir halten uns an das Gebot, weil wir uns darauf verlassen, dass ein verborgener Sinn zwar vorhanden ist, aber uns momentan nicht einleuchtet. Entscheidend dafür ist letztlich unser Vertrauen in die Kompetenz, die Fähigkeit und die Güte des Gesetzgebers.

  • Vertrauen wir der Kompetenz eines Gesetzgebers – bspw. eines Vorarbeiters, der mich an einer Maschine anlernt – so werden wir Anweisungen befolgen, auch wenn wir noch nicht richtig einsehen, warum es so besser sein soll. Fehlt dieses Vertrauen (weil wir glauben, es besser zu wissen – oder weil die Kompetenz des Vorarbeiters von uns angezweifelt wird), setzen wir uns eventuell über die Anweisungen hinweg.
  • Vertrauen wir der Güte eines Gesetzgebers – bspw. der Mutter, die uns mahnt, nicht beim Metzger Soundso einzukaufen – so werden wir ihre Anweisung befolgen. Sie meint es ja gut mit mir, auch wenn uns nicht klar ist, warum gerade dieser Metzger schlecht sein soll. Fehlt dieses Vertrauen in die Güte der Mutter aber – weil sie zum Beispiel eine nachtragende Person ist – so werden wir eher davon ausgehen, dass diese Anweisung aus einer persönlichen Abneigung heraus geschieht und uns nicht betrifft – und dann setzen wir uns darüber hinweg.

Gebote einzuhalten ist also nicht nur eine Frage, ob wir deren Sinn sofort erkennen. Wenn wir Gebote akzeptieren, hat das sehr viel mit unserer Einschätzung des Gesetzgebers zu tun. So formal, wie Gebote uns oft begegnen – es steckt doch immer auch ein persönliches Verhältnis dahinter: Vertrauen in Fähigkeit und Güte. Das ist bei den Geboten der Kirche und den Geboten Gottes nicht anders.

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