Die drei großen Schöpfungstaten

Viele haben den Schöpfungsbericht in der Bibel noch nie wirklich gelesen. Trotzdem glauben sie alles zu wissen, was drin steht: Gott hat die Welt erschaffen, am siebten Tag hat er sich ausgeruht. Weil er sich sechs Tage vorher so angestrengt hat. Alles klar.
Wer aber wirklich ganz aufmerksam den Schöpfungsbericht in der Bibel liest (er steht ganz vorne, auf der ersten Seite der Bibel), wird erstaunt sein. Denn nur an drei Stellen steht dort, dass Gott etwas erschaffen hat.

Ansonsten steht dort, dass Gott bewirkt, dass sich die Welt entwickelt. Auf deutsch wird dafür das Wort «und es wurde» oder «und es ward» benutzt. Aber eigentlich steht dort ein hebräisches Wort, dass man auch gut mit «und es entwickelt sich» übersetzen kann.

Aber an drei Stellen reicht es nicht aus, dass die Dinge sich entwickeln. Auch nicht, wenn Gott bei der Entwicklung hilft. Wir wissen heute,
dass Dinge sich noch so lange entwickeln können, wie sie wollen: Mindestens an drei Stellen brauchen wir Gott, damit es auf einer
neuen Stufe weitergeht.

Und so verwundert es nicht, dass es im biblischen Schöpfungsbericht an drei Stellen nicht heißt «und es wurde…», sondern drei mal heißt es «und Gott schuf…«.

Die erste Schöpfungstat Gottes

Das erste Mal, dass in der Bibel davon gesprochen wird, dass Gott etwas erschafft, ist ganz am Anfang: Und Gott schuf Himmel und Erde.
Erst nachdem das Universum existierte, konnte es sich entwickeln (oder auch urknallen). Eine Entwicklung kann es nur geben, wenn es auch etwas gibt, das sich entwickeln kann.
Wir können an einen unsichtbaren Gärtner glauben oder nicht. Aber bei der Erschaffung von Allem brauchen wir Gott ganz dringend! Ohne einen Schöpfungsanfang geht es nicht.

Der Urknall

Es ist noch nicht so lange her, da dachte die moderne Naturwissenschaft, dass das Universum ewig und unendlich sei. In deren Vorstellung gab es also keinen Künstler-Gott, dem man hätte bei der Arbeit zuschauen können. Vor allem weil man glaubte, dass die Sterne und das ganze Universum schon immer da waren, dachten viele, dass man dann auch keinen Schöpfer-Gott braucht.

Erst ab 1920 entdeckten Wissenschaftler so nach und nach, dass das Universum einen Anfang hat und deshalb gar nicht ewig ist. Das war eine Bestätigung des Schöpfungsglaubens! Wenn wir uns fragen, wie es ausgesehen haben könnte, als Gott die Welt erschuf, ist so etwas wie der Urknall ziemlich passend.

Aber eigentlich ist der Urknall nicht der erste Augenblick der Schöpfung. Vielmehr sehen wir den Augenblick, der unmittelbar der Schöpfung nachfolgte. Klar: Erst hat Gott etwas erschaffen – und das hat dann «geknallt». Der Urknall eben.

Gott hat das Zeug erschaffen, das sich entwickelt. Urknall und die Erschaffung der Welt passen ziemlich gut zueinander.

Die zweite Schöpfungstat Gottes

Im Schöpfungsbericht wird danach ein zweites Mal davon gesprochen, dass Gott etwas erschaffen hat: als zum ersten Mal Leben entstand. – Es ist schon verblüffend, was der Mensch heute alles kann. Computer bauen, Raketen auf den Mond schießen, Handys benutzen und Menschen operieren. Aber es ist noch überraschender, dass bislang kein einziger Mensch Leben herstellen kann. Selbst die besten Wissenschaftler aller Zeiten können noch nicht einmal eine einfache Kartoffel bauen. Oder eine piselige Erbse. Auch keine Bakterie, keine Maus und keine Katze. Geschweige denn ein Nilpferd oder einen Blauwal.

Ja, wir können noch nicht einmal einzelne Organe herstellen. Dazu brauchen wir immer etwas, das schon lebt. Aber aus toter Materie etwas Lebendiges herstellen: Das können wir nicht.

Das kann nur Gott.

Eine neue Wirklichkeit

Und auch diesmal macht Gott das Leben so, dass es nun nach seinen eigenen Regeln abläuft. Das Lebendige entwickelt sich weiter und nimmt immer neue und verschiedene Formen an. Das macht nicht Gott, so wie wir einen Roboter fernsteuern. Nein: Gott hat dem Leben eine neue, eigene Wirklichkeit mitgegeben.

Wie beim Urknall, als Gott die Materie erschuf, die ihre eigenen Gesetze hatte und danach immer neu reagiert; so hat Gott auch dem Leben eine neue Wirklichkeit mitgegeben, die wir «Seele» nennen. Man könnte es auch «Lebensprinzip» nennen. Alles, was lebt, hat eine Seele. Eine neue Wirklichkeit, die es möglich macht, dass das Leben sich eigenständig und mit der Hilfe Gottes weiter entfaltet.

Leider kann ein Biologe diese Seele nicht sehen und messen. Er kann nur ihre Wirkung beschreiben, die neue Ordnung, die die Materie in einem lebenden Geschöpf annimmt. Eine Seele ist zwar unsichtbar und immateriell (das heißt: «nicht-materiell»), aber trotzdem Teil der Natur. Eine Seele ist genauso wirklich wie alles, was wir sehen können und gehört zur normalen Wirklichkeit von allem Lebendigen.

Und wieder gilt: Gott überlässt die Welt danach nicht einfach sich selbst und guckt, wohin sich das Leben entwickelt. Nein: Er steuert, wieder ohne Regeln zu verletzen, dass sich das Leben in eine Richtung entwickelt, die eine dritte Schöpfungstat möglich macht.

Die dritte Schöpfungstat Gottes

Nachdem das Leben erschaffen wurde, hat es sich (unter Gottes Leitung) munter weiter entwickelt. In der Natur geschieht das immer noch; und heute kann der Mensch dabei mitwirken. Indem er zum Beispiel Tiere züchtet (z. B. ganz kleine Hunde oder besonders große Kühe). Oder indem er Tiere und Pflanzen im Labor verändert. Leben erschaffen kann kein Forscher, aber Leben verändern, das geht.

Aber auch hier gibt es immer noch eine Grenze: Kein Forscher kann aus Pflanzen oder Tieren einen Menschen züchten. Jeder Mensch ist das Werk eines unsichtbaren Schöpfers. Eines Gottes, der Geist ist.

Das wissen wir nicht nur, weil wir es bislang noch nicht im Labor geschafft haben. Sondern das wissen wir, weil wir mehr sind als Pflanzen und Tiere. Wir Menschen haben selber einen Geist! Immer, wenn wir reden, denken, schauen, urteilen und handeln, merken wir das.

Wir können gut sein – und auch böse. Wir können um Vergebung bitten und anderen verzeihen. Wir können fragen, warum jemand etwas getan hat. Und wir können überlegen, was wir an seiner Stelle tun würden.
Wir können uns Geschichten ausdenken, Bücher schreiben und lesen. Wir können Kinofilme anschauen und so tun, als wenn sie echt wären. Wir können Märchen erfinden und ganz unsinnige Gedichte aufsagen.
Mit anderen Worten: Wir haben einen Geist. Und der kann nur von Gott kommen.

Wie sich der Schöpfungsbericht überschlägt

Der Mensch ist der wichtigste Grund, weshalb wir an einen unsichtbaren, geistigen Schöpfer glauben. Weil der Mensch selbst einen unsichtbaren Geist hat. Das weiß jeder Mensch, ohne dass wir es ihm beibringen müssen. Und ohne, dass er dafür die Bibel lesen muss.

Wenn er dann aber doch in die Bibel schaut, dann findet er an der Stelle im Schöpfungsbericht, an der die Erschaffung des Menschen beschrieben wird, das Wort «und Gott schuf…» nicht nur einmal, sondern direkt dreimal! «Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf Er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.»

Gott ist also nicht nur ein unsichtbarer Gärtner, der Pflanzen in eine Ordnung bringt, den wir uns aber auch genauso gut wegdenken können. Gott ist ein echter Schöpfer: Er hat nicht nur die Zellen eines Tieres so neu geordnet, dass wir das Tier nun Mensch nennen. Nein: Er gibt dem neuen Wesen auch etwas, das kein Tier hat: Geist!

Schlagwörter: , , Last modified: 11. Juni 2020